Der schwarze Abt



Gleich fünf Edgar-Wallace-Krimis hat der Würzburger Autor Matthias Hahn für die Bühne bearbeitet, darunter auch "Der schwarze Abt". Die Version, die in Barsinghausen zu sehen ist, entstand 2011 für den Krimikeller in Rothenfels und wurde zuletzt auch von der Leine-Bühne Hemmingen gespielt. Wir sprachen mit ihm über Edgar Wallace, die Unterschiede zwischen Film und Theater und den Reiz der Dunkelheit. 

Matthias Hahn, was begeistert Sie an Edgar Wallace?

Mich haben eigentlich mehr die Sechziger-Jahre-Verfilmungen begeistert. Als Kind habe ich mich gegruselt, jetzt mag ich den trashigen Humor und vor allem die Tatsache, dass sie sich selbst nicht ganz ernst nehmen. Überzogene Stories, viele Wendungen und überraschende Auflösungen, das finde ich spannend. Auch unter den Romanen gibt es sehr unterhaltsame, mit herrlich-spritzigen Dialogen, aber auch welche, die Wallace sehr schnell geschrieben hat. Er war chronisch verschuldet und brauchte immer dringend Geld, das er sich mit dem Schreiben verdient hat. 

Im Vergleich zur (sehr unübersichtlichen) Filmhandlung sind bei Ihnen einige Personen und deren Konstellation anders, auch das Ende der Geschichte.

Die Romane von Edgar Wallace sind aufgrund ihrer kurzen Szenen und wechselnden Schauplätze ideale Filmvorlagen, aber eine Dramatisierung für das Theater gestaltet sich aus genau diesen Gründen recht schwierig. Entweder man verzichtet auf ein ausgestaltetes Bühnenbild und deutet die Szenenwechsel nur an, auf Kosten der Schauwerte, oder das Publikum muss mit vielen Umbaupausen leben. Um dies zu vermeiden, habe ich die Handlung auf zwei Orte reduziert (der Schlossgarten und das unterirdische Labyrinth unter der Abtei, wobei die Handlung dann doch in verschiedenen Ecken dieses Irrgartens spielt). 

Die zweite Notwendigkeit ist die Reduktion der Figuren. Im Roman spielen wesentlich mehr Figuren mit, da habe ich Charaktere zusammengefasst. Zum Beispiel ist Mary Wenner im Roman eine vorlaute Sekretärin, der sich Edgar Wallace dann auch bald entledigt hat. Bei mir muss sie auch die Aufgaben anderer Figuren übernehmen. Da passiert es dann beim Schreiben, dass sich die Charaktere selbstständig machen, dass sie die Geschichte in eine andere Richtung treiben, dass sie für ein etwas anderes Ende sorgen. Aber solange sich diese neuen Entwicklungen so wunderbar in die Handlung einfügen wie beim "Schwarzen Abt", habe ich da überhaupt nichts dagegen. Interessanterweise weichen sowohl Film als auch mein Stück gleichermaßen von der Romanvorlage ab, wenn auch in völlig verschiedene Richtungen.

Was war Ihnen wichtig?

Wichtig war mir vor allem, die spannenden und gruseligen Szenen mit teils schwarzem Humor aufzulockern. Darin sind sich Film und Stück wiederum sehr ähnlich.

Gibt es eine Figur, die Sie beim Schreiben besonders fasziniert hat?

Ich finde alle Figuren sehr interessant, es gibt keine Lieblingsfigur für mich. Ich liebe sie alle, den zockenden Anwalt (in dem sich Wallace selbst verewigt hat) ebenso wie das fröhliche Dienstmädchen oder die raffinierte Miss Gilder. Alle haben etwas zu verbergen, niemand ist der, den er zu Beginn des Stückes zu sein vorgibt, beziehungsweise zu sein glaubt. Die einzige Ausnahme: Der ruppig-trottelige Inspektor Bliss, der eigentlich aus dem "Hexer" stammt, den ich aber so faszinierend fand, dass er nun alle fünf Fälle aus meiner Bearbeitungs-Feder lösen (oder auch mal vermasseln) darf. 

 In Barsinghausen läuft das Stück an lauen Sommerabenden auf einer Waldbühne, es gibt sogar eine Nachtvorstellung um 22 Uhr. Passt das zur Atmosphäre der Vorlage?

Das finde ich gut, denn der letzte Akt spielt in den Gängen unter der Abtei, da sorgt Dunkelheit für eine richtig gruselig-romantische Stimmung. Und aus genau diesem Grund sollten Familien mit Kindern vielleicht doch eher in eine Nachmittagsvorstellung gehen.

 17.05.2018